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Bilder & Geschichten aus einem Jahrhundert Mofageschichte

 

 

 

Natürlich hat jeder von uns so seine Erlebnisse und Erinnerungen zum Thema Mofa. Teilt sie mit uns!

Schickt uns Eure Geschichte oder eure Bilder an info@alpaehoedis.ch Sie finden hier einen würdigen Platz und werden veröffentlicht.

 

Auf Pietro Giovannis Wunsch:

Ihr seit damit unentgeltlich einverstanden, dass Eure Texte und Bilder auf dieser Seite veröffentlicht werden.

 

Säschu`s Geschichte:

Valentin, der Töfflibueb

In unserer damaligen Hödi Clique, das in Mitte der 80er Jahre, gab es auch Kumpel Valentin.

Ein waschechter Töfflibueb wie er im Buche steht.

Valentins Augen hatten nicht die Sehschärfe eines Adlers. Die ihm verpasste Brille trug er am Anfang so gut wie nie, verringerte sie doch seiner Ansicht nach, seinen Chancen beim anderen Geschlecht erheblich. Er war als Schüler stolzer Besitzer eines Puch Maxi Mofas in schwarz und immer gut für einen "dicken Hund".

Beliebter Treffpunkt war der Platz vom dem Mofa Fachgeschäft "Lischer" mitten im Dorf. Dort standen im Sommer 1987 fast alle Hödis unserer Clique aus dem Hause Sachs und Puch beinahe militärisch aufgereiht nebeneinander. Die Fahrer dazu sassen auf einer Holzbank, direkt vor der Telefonkabine.

Die Gespräche drehten sich wie immer um die wichtigsten Dinge der Welt: Hödi, frisieren, Mädchen, Wochenende und wie man der Polizei entweicht.

Da bog Valentin in den Vorplatz ein, gab nochmals kurz Gas und griff dann in die Bremshebel.

Seine Augen weiteten sich, ungebremst zog er mit einem Schlenker an den Mofas vorbei und prallte ungebremst unter lautem getösse in die Hauswand. Es hob Valentin aus dem Sattel, über den Lenker, den er nicht losliess, nach vorne. Kurz bevor sein Kopf die Hauswand Küsste, schleuderte es ihn wieder zurück in den Sattel. Er war nicht einmal umgefallen.

Das Hödi blieb wie angewurzelt stehen. Natürlich mit Valentin drauf. Er stieg dann als wäre nicht gewesen von seinem Feuerstuhl.

Die Gabel war krumm wie eine Banane. Der Lenker konnte nicht mal mehr gerade aus stehen, der Motor stand am Vorderradschutzblech an und verhinderte dies.

Bei näherer Untersuchung stellten wir dann fest, das links der Kabelzug zur Bremse gerissen war und rechts, da die Schraube fehlte, der Hebel bei seinem harten Zugriff aus seiner Halterung geflutscht war.

Wenn Kumpel Valentin die nächste Zeit irgendwo auftauchte, sprangen alle fluchtartig auf und brachten die Hödis in Sicherheit.

http://www.redbullalpenbrevet.ch/helden/#onkel-baba

© Säschu 2013

 

 

 

Tom Tigra`s Geschichte:

Der Fluch des Mofas

Die Herbstferien verbrachten wir seit ich denken konnte immer auf einem Hof im Emmental.

Seit ich denken konnte, wuselte ich schon früh morgens im Stall herum, oder stapfte barfuss durch den ersten Schnee ums Haus, um ein "Wedeli" zu holen und dann in der Küche den Ringlihärd anzufeuern.

 

 Entweder half ich Härdöpfu sortieren oder unsere Familie ging in die Pilze. Ausserdem bot der Hof und die Umgebung immer genug Neues zum Erkunden... Hinter dem Stöckli beim Hühnerhof befand sich schon immer ein kleiner, unbeachteter Schuppen. Die Fensterchen waren trüb oder eingeschlagen und die Zufahrt von Gestrüpp zugewuchert.

 

 Das war auch dieses Jahr wieder so. Nur:

Ich hatte mich verändert. Ich wollte nicht mehr in den Stall oder in die Pilze! Meine Familie sollte mich einfach in Ruhe lassen! (Teenager-Hormonschub???) Jedenfalls zog ich es vor, mich tunlichst vom Betrieb fernzuhalten und meine geklauten Zigaretten in einer unbewachten Ecke zu verdampfen.

 Irgendwie landete ich so hinter dem Hof bei der grossen Linde.

Von dort aus konnte ich das Bauernhaus, die grosse Scheune und das Stöckli mit dem Hühnerhof sehen. Am Stöckli angebaut war da dieser windschiefe, halb eingewachsene Schuppen. "Was da wohl drinnen sein mag?" fragte ich mich und kämpfte mich durch Gestrüpp und rostigen Drahtspulen in Richtung Eingangstüre des Schuppens. Offensichtlich hatte seit mindestens 20 Jahren niemand diesen Schuppen betreten.

 

 Die Türe war bloss angelehnt, aber Brombeerranken hatten sie zugewuchert. Nur mit ein paar kräftigen Fusstritten konnte ich die Türe soweit bewegen um genug Platz zu haben mein Lebendgewicht in den Schuppen zu zwängen.. Ich wischte mir die Spinnweben vom Gesicht und entfernte ein paar Brombeerstacheln aus den Armen.

 Dann sah ich mich um! Die gelbe Abendsonne schien durch die zerbrochenen Fenster und liess matten Chrom erglänzen! Was ich dann sah, hätte Ali Baba erblassen lassen!

 

 Eigentlich suchte ich ja nur ne ruhige Ecke auf dem Bauernhof und dachte, dass dieser verlassene Schuppen mein Versteck sein könnte. Doch was ich sah waren nicht angefressene Feuerwehrschläuche oder ausrangierte Landmaschinenteile. Dieser Schuppen war etwas ganz Anderes! Dieser Schuppen war die perfekte Töffli-Werkstatt, wie vor 20 Jahren!

 

Unter dem Staub glänzten mir in den Strahlen der Abendsonne verchromte Tanks und Schutzbleche entgegen. Es roch nach Motorenöl und Rost.

Auf den Regalen an den Wänden standen von Spinnweben überzogene Behälter mit Totenkopfzeichen und Warnungen aller Art.

Rechts von mir stand eine massive, alte Werkbank. Darauf lagen noch diverse Werkzeuge. Als ich dann eine Schublade aufhebelte, sah ich fein säuberlich eingeordnete Ersatzteile aller Art. So wie es aussah, waren meine Bauern plötzlich erwachsen geworden und hatten ihre Vergangenheit in diesem Schuppen "entsorgt" und schliesslich vergessen.

 

Mögen es Teenager-Hormone gewesen sein oder das Töffli-Fieber: Ich wusste, womit ich meine Herbstferien verbringen wollte! Wieder schaute ich auf den Chrom-Rost-Staub-Töffli-Haufen und stellte fest, dass das mindestens 5 Töffli waren.

Eines erweckte mein besonderes Interesse. Es lag zu vorderst an der Wand und sah eigentlich aus, wie ein Velo... (es hatte ne Velogabel und keine Tele...) Und es sah aus, wie ein Oldtimer... Schlicht gesagt; es gefiel mir! (Es war ne Original-Lackierte Saxonette...)

 

Dieses Töffli erinnerte mich an die alten Postkutschen, die von Pferden über den Gotthard gezogen wurden....

Bis es Abend war, hatte ich den grössten Teil des Töffli-Haufens entwirrt. Mangels technischen Wissens identifizierte ich viele Teile durch blosses aufeinanderpassen.

Die Saxonette stand jedoch mitten im Schuppen: Da war alles noch dran! Es war offensichtlich das Original-Töffli vom Grossvater-Bauern H. Bloss hatte ich nun ein Problem: "Wie startet man ein Töffli?"

 

Am nächsten Morgen war ich früh auf den Beinen und feuerte den Herd an. Zur Zeit war ich im Stall und löcherte Bauer Papa wie Sohn über Töfflis aus.

Ich rüstete an wie ein Wilder und fütterte Kuh wie Kalb für den halben Winter!

 

Um exakt 16:00 Uhr stand ich mit Erlaubnis zum basteln und 5 lt 2-Takt Gemisch wieder in meinem Schuppen.

Mein Erstes Opfer war die Saxonette. Benzin eingefüllt und drauflosgetreten... Da ging aber nix! Der Motor war einfach blockiert!

So hab ich das Ding am selben Abend ausgebaut und den Zylinderkopf losgeschraubt. Alles war dort drinnen von ner Art klebrig-schwarzem Honig überzogen.

 

Mir blieb nix Anderes übrig, als den Zylinder im Werkbank einzuspannen und den Kolben mittels Holzstück und Beil unten rauszukloppen. Das hat auch tatsächlich gefunzt! Der ganze Motorblock inkl. Pleuel und Kolben fiel dann runter auf die vorsorglich unterlegten und zusammengefalteten Kartoffelsäcke... Bis es definitiv dunkel wurde hatte ich Zylinder, Kolben und so weiter einfach mit Lappen und 2-Takt-Gemisch poliert , eingeölt und wieder zusammengebaut.

 

Am nächsten Morgen war ich wieder früh auf den Beinen. (Schliesslich brauchte ich ja noch weitere Infos:

Wie geht das mit der HG-Schaltung? Was ist eigentlich eine Dekompression? u.s.w. (Habe vermutlich zwischendurch an den Hörnern der Kühe das Schalten geübt)

 Am Frühen Nachmittag hab ich dann die Saxonette getankt und rausgeholt. Draufgesessen und angerollt...

Es machte:"RRRRZZZCHÖÖCHÖÖÖZTZTCHÖÖÖRRRPPFFF...." Beim zweiten Versuch: "RRRRZZ - PÖTTPÖTT! - ZTZTZCHÖÖÖ- PÖTTPÖTT - CHÖÖÖRRZZ - PÖTT -PENG! - BRRRUMMMM-BRRUUMMM!

Es war erstaunlich! Nach bald 20 Jahren lief das Ding wieder! In den nächsten Tagen bastelte ich oder fuhr mit der Saxonette über die schönen Hügel der Heimat meiner Vorfahren. (..die noch keine Töffli hatten...)

 

http://www.redbullalpenbrevet.ch/helden/#tom-tigra

© Tom Tigra 2013